Studentenverbindungen

Die Ursprünge der Studentenverbindungen im deutschsprachigen Raum liegen im beginnenden 19. Jahrhundert. Viele Studenten hatten damals an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teilgenommen. Dort waren sie in sogenannte Freicorps eingetreten, die ihren Eid nicht wie üblich auf den König sondern auf das Vaterland ablegten. Nach ihrer Rückkehr gründeten sie an ihren Hochschulen Burschenschaften, die gegen die Kleinstaaterei und für ein vereinigtes Deutschland eintraten. Dies richtete sich auch gegen die Landsmannschaften, in denen die Studenten an den Universitäten zu jener Zeit noch regional organisiert waren.

Die Urburschenschaft in Jena war es dann auch, die im Jahr 1817, zwei Jahre nach ihrer Gründung, zum Wartburgfest nach Eisenach einlud. Dort wurde mit viel Pathos die deutsche Einheit gefordert. Rund 500 Studenten von dreizehn Universitäten aus ganz Deutschland kamen auf der Wartburg zusammen, was in etwa einem Achtel der damaligen akademischen Jugend entsprach. Dies war eine beachtliche politische Demonstration für den aufkeimenden deutschen Nationalstaat.
Im Nachgang des Wartburgfestes einigten sich die Studenten auf die Gründung einer Allgemeinen Deutschen Burschenschaft als Gesamtverband aller Burschenschaften, wodurch das Verbindungsstudentenwesen erstmals in eine rechtliche Form gegossen wurde.

Die Bewegung zur nationalen Einheit gewann weiter an Fahrt und 15 Jahre später zum Vorabend des Hambacher Festes im Jahr 1832 fanden sich bereits zwischen 20.000 und 30.000 Teilnehmer auf der Ruine des Hambacher Schlosses ein, eine für damalige Zeiten unglaublich hohe Zahl. Ihre Forderungen waren neben der nationalen Einheit vor allem Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, die Einhaltung der Bürgerrechte, die Souveränität des Volkes sowie religiöse Toleranz.

Die ersten Studentenverbindungen, seien es Burschenschaften, Landsmannschaften oder Corps waren somit ursprünglich politische Vereinigungen. Mit der weitgehenden Verwirklichung ihrer Ziele zunächst in der Märzrevolution von 1848, mit der späteren Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 und mit der Ausrufung der Republik im Jahr 1919, traten die ursprünglichen Ziele immer mehr in den Hintergrund.

Die später gegründeten Studentenverbindungen gaben sich daher überwiegend andere Ziele. Unter der Maxime „Religion, Wissenschaft und Freundschaft“ organisierten sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts katholische und christliche Studentenverbindungen in verschiedenen Dachverbänden.

Ebenfalls im Laufe des 19.Jahrhnderts entstanden aus den Akademischen Turnvereinen die Turnerschaften, die sich der körperlichen Ertüchtigung und der Pflege des Sports widmeten.

Aus den Akademischen Gesangsvereinen bildeten sich die Sängerschaften, die das musische Prinzip als Grundlage des Verbindungslebens pflegten.

Nicht zuletzt seien die studentischen Fachverbindungen genannt, deren verbindendes Element der Studieninhalt selbst darstellt. So gab und gibt es beispielsweise Verbindungen für so unterschiedliche Berufsgruppen wie Chemiker, Berg- und Hüttenleute, Architekten und Bauingenieure, Holztechniker und nicht zuletzt für Brauer und Lebensmitteltechnologen.

Heute wird diese strikte Fokussierung nach politischer Einstellung, Nationalität, Religion und sonstigen Merkmalen bei den meisten Studentenverbindungen zunehmend aufgehoben. Viele katholische Studentenverbindungen können heute auch konfessionslose Studenten aufnehmen, Landsmannschaften begrüßen zunehmend Ausländer in ihren Reihen und Turnerschaften haben sich auch Sportmuffeln geöffnet. Dies hatdazu beigetragen, dass die meisten Verbindungen liberaler, weltoffener und damit auch moderner geworden sind.

Bis zum heutigen Tage haben sich aber auch viele Corps, Burschenschaften und Landsmannschaften ihre nationale Gesinnung bewahrt, was in ihren Auswüchsen mitunter zum negativen Image der Studentenverbindungen im Allgemeinen beiträgt. Diese Verallgemeinerung ist aber nicht gerechtfertigt, da rechtslastigeStudenten und Studentenverbindungen eine verschwindend geringe Minderheit darstellen, die aber leider immer die größten Schlagzeilen produzieren.

Bildnachweis: Sonderbriefmarke „175 Jahre Hambacher Fest“, Deutsche Post AG, nach einem Entwurf von Johannes Graf, Dortmund, ausgegeben 2007, Quelle: http://www.deutschland-lese.de/